(Spuren)elementen in Futter auf der Spur

18.09.2018

 

Oft taucht die Frage auf, welche Elemente mit gängigen Futtersorten ins Aquarium eingebracht werden. Interessant dabei ist, ob durch Futter etwa der Spurenelement-Bedarf des Aquariums (teilweise) gedeckt wird, oder ob es durch die Fütterung zu kritischen Anreicherungen kommen kann.

Wir nutzen unser Labor nicht "nur" um Eure Meerwasserproben zu analysieren, sondern wollen auch  interessante Fragestellungen beantworten, und neue Erkenntnisse für unser Hobby gewinnen. 

Um die (Spuren)Elemente in gängigem Futter zu untersuchen haben wir kurzerhand die Futtersorten in konzentrierter Säure aufgelöst, mit Reinstwasser verdünnt und mittels ICP-OES analysiert. Die Ergebnisse wollen wir hier mit Euch teilen und diskutieren.

Ausgewählt haben wir 3 Trockenfutter-Sorten: Pelletfutter "Knoblauch", Spirulina Flockenfutter und "Buntes" Flockenfutter, sowie vier Frostfuttersorten: Artemia, Krill, Mysis und Lobster Eier.

An dieser Stelle sei erwähnt dass jeweils nur eine Stichprobe des jeweiligen Futters analysiert wurde. Um ein abgerundeteres Bild zu erhalten müssten etliche Chargen des jeweiligen Futters getestet, und die Werte gemittelt werden. Wir sind jedoch der Meinung, dass diese Pilotstudie wertvolle Hinweise zum Spurenelement-Gehalt der jeweiligen Futtersorten liefert. Die Werte von Trocken - und Frostfutter sind nur bedingt miteinander vergleichbar, da in Frostfutter einen größeren Anteil an Feuchtigkeit enthält.

Aber nun zu den Ergebnissen, wir sehen uns Element für Element an, und diskutieren kurz und bündig ob der Messwert für die Aquaristik relevant ist.

Los gehts mit Barium, links im Diagramm sind die drei Trockenfutter-Sorten, rechts die Frostfutter-Arten. Die Einheit ist µg (Mikrogramm) pro Gramm Futter. Werden also etwa 1 g Pelletsfutter "Knoblauch" in einem Aquarium mit 100l Wasservolumen gefüttert gelangen etwa 2 µg Barium / 100l = 0.02 µg/l Barium ins Wasser.

Der Bariumgehalt variiert zwischen den Futtersorten, jedoch ist der Bariumgehalt allgemein sehr niedrig, selbst durch Mysis, welche den höchsten Bariumgehalt aufweisen werden nur unwesentliche Mengen ins Aquarium eingebracht.

Auch an Strontium werden nur geringe Mengen mit dem Futter eingebracht, der Strontiumbedarf muss durch gezielte Zufuhr (mittels Versorgungssystem, z.B.: Oceamo DUO, oder durch gezielte Einzelgaben) gedeckt werden.

 

Aluminium ist vor allem als Schadstoff bekannt, denn es hat keine bekannte biologische Funktion. Werte ab 100 µg/l können vereinzelt Probleme verursachen, wobei vor allem Effekte auf Weichkorallen beschrieben sind. Bei den untersuchten Futtersorten fällt vor allem das "bunte Flockenfutter" durch einen hohen Aluminiumgehalt von 1150 µg/g auf. Bei Fütterung von 1 g/100l (eine recht hohe Menge) werden so 11.5 µg/l Aluminium pro Fütterung eingebracht, was durchaus zu einer unerwünschten Anreicherung führen kann. Die untersuchten Artemien haben den zweithöchsten Aluminiumgehalt mit 111 µg/g.

Eisen ist ein wichtiges Spurenelement. Durch alle Trockenfuttersorten, Lobstereier und Artemia werden nennenswerte (aber keinesfalls kritische) Mengen an Eisen eingebracht, weshalb durch Fütterung der Eisenbedarf vermutlich gut gedeckt wird. Die untersuchten Krill und Mysis enthielten signifikant weniger Eisen.

 

Kupfer, ebenso ein wichtiges Spurenelement (und in hohen Konzentrationen häufiger Problemverursacher) ist in allen Futtersorten nachweisbar, wobei vor allem die untersuchten Lobster Eier einen hohen Kupfergehalt aufwiesen. - Bei ausschließlicher Fütterung dieser Krebseier kann es durchaus zu einem Anstieg des Kupfergehalts im Becken kommen, wir empfehlen definitiv das verwendete Futter zu variieren, um keine einseitigen Belastungen hervorzurufen. 

Der Zinkgehalt ist in Trockenfutter deutlich höher als in Frostfutter (ausgenommen Spirulina), und es werden nennenswerte Mengen (vor allem durch das Pelletfutter) eingebracht. Eine toxische Anreicherung ist jedoch äußerst unwahrscheinlich.

Vanadium ist nur in minimalen Mengen in den untersuchten Futtersorten nachweisbar, die Fütterung liefert keinen wesentlichen Beitrag zur Vanadiumversorgung eines Beckens.

Ebenso Nickel, Molybdän und Chrom. Diese Elemente sind zwar in den meisten Futtersorten nachweisbar, ein wesentlicher Eintrag in das Aquarium erfolgt jedoch nicht.

Das wichtige Spurenelement Mangan wird durch alle untersuchten Futtersorten eingetragen, wobei Krill am wenigsten Mangan enthält. Hohe Manganwerte finden sich in Pellet und Flockenfutter sowie in Artemia. 

 

 

Aber nicht nur Metalle sind in der Aquaristik interessant, sondern auch z.B. Phosphor, welcher (meist organisch gebunden) in allen Futtersorten vorkommt. - Somit ist Futter auch die Hauptquelle für Phosphat im Aquarium. Interessant ist, dass sich der Phosphorgehalt zwischen den untersuchten Futtersorten doch deutlich unterscheidet, aber seht selbst:

Auffallend ist der sehr hohe Phosphorgehalt im untersuchten Pelletfutter: Nahezu 18000 µg/g, also 18 mg/g oder auch 1.8% des Futtergewichts. Bei den Trockenfutterarten weist Spirulina den niedrigsten Phosphorgehalt auf, die Frostfuttersorten haben alle einen ähnlichen Phosphorgehalt.

 

Wir haben den Phosphorgehalt auch in den potentiellen Anstieg des Phosphatwerts umgerechnet, wenn 1 g des jeweiligen Futters auf 100l Aquarienwasser verfüttert wird (unter der Annahme, dass der gesamte Phosphor im Endeffekt als Phosphat im Wasser landet. Im Realfall wird auch ein Teil des Phosphors vom Fisch verwertet, und trägt daher nichts zum Phosphatgehalt im Wasser bei, die Daten sind daher als Näherung zu betrachten):

Werden 1 g des Pelletfutters pro 100l Wasservolumen verfüttert, kann theoretisch der Phosphatwert auf knapp 0.6 mg/l ansteigen. Auch die anderen Futtersorten liefern einen nennenswerten Eintrag an Phosphat (welches als wichtiger Nährstoff vom Aquarium auch benötigt wird). Hat man Probleme mit zu hohen Phosphatwerten sollte von einer Fütterung mit Pelletfutter abgeraten werden. (Auch bei hohen Phosphatwerten muss für eine ausreichende Fütterung der Fische gesorgt werden! - Spirulina liefer aber zum Beispiel einen deutlich geringeren Beitrag zum Phosphatwert).

 

Wir hoffen, unsere kleine Studie ist/war interessant für Euch! Für Diskussionen steht unser Herstellerboard auf www.nanoriffe.de zur Verfügung, selbstverständlich sind wir auch via e-mail erreichbar!

Welche Futtersorten und Elemente interessieren Euch besonders? Wir freuen uns über Eure Vorschläge zu FoodTrace Teil 2! 

 

Mit vielen Grüßen,

 

Christoph und Kerstin

Euer Oceamo Team